Aus der Ferne mit der Lupe

VSG Offenbach – SC Fulda 1: 3,0-5,0; VL Nord, Rd. 8

Wieder ein Kampf, der knapper ausging als es hätte sein müssen. Aber immer noch ein souveräner Sieg. Vor der der letzten Runde belegt Fulda 1 damit den alleinigen ersten Tabellenplatz. Am 26.04. kommt es dann zuhause gegen Gründau zum Endspiel um den Aufstieg. Trotz des Vorsprungs reicht ein Unentschieden nicht, wenn parallel Gießen hoch gewinnt. Ich hoffe daher, dass uns die vielen vergebenen Chancen nicht einholen, die wir (und ich zuerst!) innerhalb der Saison liegen gelassen haben.

Töpfer, Albrecht – Jakel, Wolfgang (2206): 0-1

Ein Drama. Wie ungerecht ist doch die Welt!

Aber von vorn: Schwarz entschied sich früh, lang zu rochieren. Statt danach aber konsequent am Königsflügel zu spielen, verlor er mit Springermanövern am Damenflügel Zeit. So steht Weiß in der folgenden Stellung schon besser:

Töpfer - Jakel, Stellung nach 11. . . Sc4

Albrecht zog 12. b3 (?!) was das hübsche Sb2 mit Abtausch des weißen Läufers erlaubt. Stattdessen kam aber 12… Sd6, wonach es ein Spiel auf ein Tor wurde. Weiß greift ungehindert an und Schwarz kann nichts unternehmen, außer ums Überleben zu kämpfen. Seht Euch mal diese Stellung an:

Töpfer - Jakel, Stellung nach 17. . . Dc8

Weiß hat freien Zugang zum schwarzen König, Entwicklungsvorsprung, die bessere Bauernstellung,… und noch nicht mal etwas dafür geopfert. Stockfish bewertet die Stellung schon mit +4 und schlägt vor, mit 18. c5 den Druck weiter zu erhöhen (z. B. 18… c6 19. Ta2 Td7 20. Tb2. Albrecht entschied sich, mit 18. Dc2 g6 19. Lxe4 fxe4 20. Dxe4 einen Bauern zu gewinnen und erst danach wieder dem König zu Leibe zu rücken, was ebenfalls zu einer klaren Gewinnstellung führte. Zug um Zug verbessert sich danach die Stellungsbewertung, +3, +4, +5, +6 bis, ja bis ihm im 37. Zug ein geistiger Mouseslip oder was auch immer passierte. Er zog die Dame auf ein Feld, das der Gegner mit zwei Türmen und dem König kontrollierte. Tragisch. Ungerecht. Unerklärlich.

Werner, Florin (1987) – Weise, Martin: 0-1

Martins Partie war ein Beispiel dafür, dass es selten eine gute Idee ist, den Gegner einen Zentrumsbauern mit Tempo vorziehen zu lassen (schönen Gruß an unseren dickköpfigen Ajechin – Verteidiger). Denn genau das ließ Martins Gegner kurz nach der Eröffnung zu. Dieser fackelte nicht lange und zog den e-Bauern erst nach e5 wo er einen weißen Springer von d4 vertrieb und im nächsten Zug gleich weiter nach e4, um die weiße Dame zu attackieren. Ergebnis: Raumvorteil, Bauernmehrheit im Zentrum und Entwicklungsvorsprung.

In der Folge schwankt die Computerbewertung zwischen 0,5 und 1,2 Vorteil für Martin. Bis er sich entschloss, seinen weißfeldrigen Läufer gegen den weißen Springer tauschen zu lassen.

Werner - Weise, Stellung nach 21. a3

Die Stellung sieht aus, als hätte Schwarz den ersten Zug gemacht, oder? Weiß steht passiv und mit 21.- a4 hätte Martin jedes Gegenspiel am Damenflügel unterbinden können. Anschließend kann Schwarz sich dann in aller Ruhe um den weißen König kümmern. Aber auch 21… Lc5 22. Sd4 Db6 23. La2 war nicht schlecht. Jetzt war es allerdings an der Zeit, den Damenflügel festzulegen. Denn nach dem gespielten 23… La4 wäre 24. b3 eine gute Antwort gewesen. Weiß spielte aber 24. Td2 und nun hätte zum Beispiel 24… Dc7 den Vorteil festgehalten. 24… Lc6 erlaubte Weiß nämlich nicht nur mit 25. b4 am Damenflügel aktiv zu werden, sondern nach 25… Lf8 26. Sxc6 Dxc6 zusätzlich das Läuferpaar zu halbieren. Für Stockfish reicht das, um von schwarzem Vorteil auf leichten weißen Vorteil umzuschwenken.

Aber die Computerbewertung ist das eine. Für uns Normalsterbliche ist nicht wirklich viel Schlimmes passiert und die Stellung blieb dementsprechend weiterhin für beide Seiten spielbar. Nach 34 Zügen wurde die folgende Stellung erreicht, in der Weiß laut Engine immer noch minimalen Vorteil hat:

Werner - Weise, Stellung nach 34. . . Tfe5

Mit 35. Df4 griff Weiß den Bauern h4 an, blieb damit aber dem Thema der Partie treu. Martin ließ sich nicht zweimal bitten und schickte den e-Bauern einen weiteren Schritt voran: 35… e3 36. fxe3 Txe3 37. Dxh4 De6 38. Tf1 Te1 39. Tf4 De3+

Werner - Weise, Stellung nach 39. . . De3

Offenbar waren beide Seiten hier in Zeitnot. Das würde erklären, warum Weiß mit 40. Kh1 patzte (40. Df2 war der einzige Zug). Und warum Martin nach 40…Txf1 41. Txf1 mit 41… Se4 an der Chance vorbei ging, den Sack mit De2 oder Ld6 zuzumachen. Dass er diese Taktik finden kann, bewies er dann zwei Züge später, als der Weiße ihm mit 42. Lxe4 Txe4 43. Dd8 erneut anbot, mittels 43… De2 eine Figur und wenig später die Partie zu gewinnen.

Werner - Weise, Stellung nach 43. Dd8

Fritz, Marius – Werner, Rosalie (1933): 1-0

Ein starker Vortrag von Marius: Nach 11 Zügen hatte er die folgende Stellung erreicht, in der Weiß das etwas freiere Spiel hat.

Fritz - Werner, Stellung nach 11. 0-0-0

Verständlich, dass seine Gegnerin die Dame aus der Gegenüberstellung mit dem Turm ziehen wollte. Und auch, dass ihr Dc7 wegen Sb5 nicht gefallen hat. Trotzdem wäre das der bessere Zug gewesen, denn nach 11… Da5 12. Sb3 muss die Dame doch nach c7 und nach 13. Sb5 Dc4 14. Dxc4 Sxc4 steht der weiße Springer auf b3 gar nicht schlechter als auf d4, denn er kann den Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers unterstützen: 15. Lc5 Lxc5 16.Sxc5

Fritz - Werner, Stellung nach 16. Sxc5

Hier sieht man sieht schon an der Figurenaktivität, dass es für Schwarz schwer werden wird. Wie schlecht die schwarzen Chancen sind, zeigt sich daran, dass Stockfish 16… Tb8 für den besten Zug hält. Aber die weiße Stellung ist so gut, dass die Engine danach noch nicht mal den Bauern auf a7 nimmt. Trotzdem hier die zugehörige Variante, denn sie beinhaltet die kleine Pointe, dass nach: 16… Tb8 17. Sxa7 Ta8 18.Sxc8 Tfxc8 19. Lxb7 jetzt ist nicht auch noch die Qualität weg ist:

Fritz - Werner, Analysediagramm

Denn 19… Txa2 mit der Drohung Ta1 matt rettet die Qualität. Aber natürlich sollte die weiße Stellung nach 20. c3 trotzdem klar besser sein. Trotzdem ein schönes Beispiel dafür, was bei einer Partie so alles hinter den Kulissen bleibt.

In der Parteistellung nach 16. Sxc5 (oben) spielte Schwarz jedoch das natürliche 16… a6, was aber nach 17. Sd6 mindestens einen Bauern kompensationslos abgibt. 17… Sxd6 17. Txd6 Ta7 (oder Tb8) scheitert an 18. Tb6 und auf den Partiezug 17… Se5 folgte das humorlose 18. Lxb7 Lxb7 Scxb7. Schwarz wehrte sich noch ein paar Züge, war aber gegen die beiden Monsterspringer chancenlos. Im 25. Zug grasten die beiden noch einen Turm ab, womit es dann endgültig vorbei war. Ein ungefährdeter Start – Ziel Sieg für Marius.

Müller, Thorsten (1963) – Kloninger, Paul: Remis

Paul spielte mit Schwarz eine sehr positionelle Partie. Nach 15 Zügen sah die Stellung so aus:

Müller - Kloninger, Stellung nach 15. . . De7

Wir sehen die bekannte Karlsbader Struktur. Da Schwarz den Punkt e4 gut unter Kontrolle hat, kann Weiß nur auf den Minoritätsangriff am Damenflügel setzen. Schwarz sucht dagegen zumeist Gegenspiel am Königsflügel, oft über den Transfer eines Turms via der sechsten Reihe. Paul wählte eine alternative Strategie, blockierte den Damenflügel und überführte den Springer nach c4.

Nach dem 24. Zug von Weiß war die folgende Stellung erreicht:

Müller - Kloninger, Stellung nach 25. Se1

Den letzten weißen Zug sieht Stockfish kritisch. Stattdessen hätte Weiß mit 24. Ld3 Druck auf den Springer c4 ausüben müssen, denn jetzt bekommt Schwarz eine kleine Chance, am Damenflügel die Initiative zu übernehmen: 25… bxa4 26. Da2 (26. Dxa4 c5! 27 Dxa6 cxb4 mit schwarzem Vorteil) 26… Tb8 27. Ld3 Txb4 28. Lxc4 dxc4 29. Sc2 (29. Txc4 Le6) 29… Tb3 30. Txc4 Tfb8

Müller - Kloninger, Analysediagramm.

Wegen der schwachen Grundreihe kann Weiß hier nicht auf a4 schlagen und nach 31. h3 hat Weiß die Wahl zwischen 31… a3 und 31… Le6. Beides mit schwarzem Vorteil (31. Dxa4 Le6 32. Tc5 Tb1 33. Tf1 (33. Sa3 Dxc5) 33… Tbb6)

Aber seien wir ehrlich: die Endstellung der Variante ist immer noch ganz schön unklar und 25… bxa4 so wenig intuitiv, dass es nicht verwunderlich ist, dass Paul 25… Df6 gespielt hat. So endete die Partie nach einigen weiteren Manövern im 33. Zug remis, ohne dass eine der beiden Seiten eine weitere Chance bekommen hätte.

Kierzek, Matthias – Braig, Frank (1956): 1-0

Matthias spielte eine starke Partie, in der er positionelle und taktische Elemente elegant verknüpfte:

Kierzek - Braig, Stellung nach 16. . . La6

Weiß steht besser, muss aber konkret spielen, um den Vorteil festzuhalten. Matthias fand dazu einen hübschen Weg: 17. Lg5! sichert die weiße Kontrolle der f- Linie, denn 17… Lxg5 Txf8 kostet die Dame für Turm und Läufer.

Die nächste kritische Stellung ergab sich dann nach 23. Tf3

Kierzek - Braig, Stellung nach 23. Tf3

In der Zwischenzeit ist einiges passiert: Die Läufer und ein Turmpaar wurden auf f6 getauscht, was die schwarze Königsstellung etwas luftig macht. Der weißfeldrige Läufer wurde auf c4 getauscht, wodurch Matthias Dame auf die siebte Reihe kommen konnte. Gleichzeitig hat Schwarz aber mit c5 einen guten Hebel an das weiße Zentrum gelegt. Mit Tf3 will Matthias nun die geschwächte Königsstellung ausnutzen. Schwarz wollte wohl den Druck auf d4 nicht aufgeben und zog den König weg: 23… Kh8? (besser war z. B. Dc7, um die 7. Reihe zu schließen). Diese Ungenauigkeit ermöglichte Matthias eine kraftvolle Fortsetzung: 24. dxc5 nimmt die schwarze Dynamik aus der Stellung 24… Txc5 25. Df7 und Weiß steht praktisch auf Gewinn. Schwarz probierte 25… b5 26. Txf6 Dd1+ 27. Tf1 Dd6, doch bald darauf zappelte der schwarze König im Mattnetz.

Eine starke Partie, in der Matthias mit kleinen taktischen Wendungen die Daumenschrauben immer weiter anzog, bis Schwarz schließlich zusammenbrach.

Muhedin, Kolic (—) – Berndt, Matthias: 1-0

Nach anspruchsloser Eröffnung von Weiß übernahm Matthias nach und nach die Initiative. Wichtig, denn er hatte mit der großen Rochade eine Stellungsverschärfung herbeigeführt, die beiden Seiten keine Zeit für langwierige Manöver ließ. Die kritische Stellung ergab sich dann im 24. Zug:

Muhedin - Berndt, Stellung nach 24. De3

Mit dem letzten Zug hat Weiß den Bauern c2 entweder geopfert oder eingestellt. Wie würdest Du entscheiden? Der Computer interessiert sich bekanntlich mehr für Raum und Zeit als für Material, seine erste Linie ist 24… Lxg2 25. Kxg2 f4, gefolgt von der Alternative 24… f4 25. Sxe4 dxe4 26. Dxe4 fxg3, beides mit klarem Vorteil für Schwarz. Wenn es nur so einfach wäre. Mal ehrlich: wer gibt schon den stolzen Le4 gegen den lahmen Springer auf g2? Und überhaupt, wie geht es dann nach 26. Dd3 weiter? Mit der Stellung auf dem Bildschirm kann ich schon an den schwarzen Vorteil glauben. Aber klar ist mir da noch gar nichts. Auch um die andere Variante zu spielen, benötigt man eine Antwort wie es nach 27. fxg3 Sxd4 28. Txf8 weitergeht. 28… Txf8 29. Td1 ist überhaupt nicht klar und 28… Dxf8 nimmt den Druck von g3. In beiden Hauptvarianten hat Schwarz kein Material mehr und so sicher steht sein König auch nicht. Was auch immer der Computer sagt – wer traut sich zu, das mit der obigen Stellung auf dem Brett richtig einzuschätzen? Verständlich, dass Matthias zu 24… Lxc2 griff, denn eine direkte Widerlegung davon ist nicht zu sehen. Aber natürlich hat die Engine recht, denn Weiß kann jetzt mit ein paar kräftigen Zügen die Initiative übernehmen: 25. Tac1 Le4 26. Sb5 Dd7 27. Txc6+

Damit ist die Antwort auf die Frage nach dem Bauern c2 gegeben. Weder Opfer, noch Einsteller – Abtausch! Matthias wehrte sich noch nach Kräften, musste aber im 48. Zug schließlich die Waffen strecken. Schade, aber es war ein guter Kampf.

Sehn, Norbert – Akman, Mert (—): 1-0

Zu Norberts Partie gibt es nicht viel zu sagen, außer dass sie ein Beitrag zu der bekannten Frage ist “wieviel Mehrtürme braucht man, um zu gewinnen?”, die unser Bundestrainer ja in einer Langzeitstudie untersucht. Um es kurz zu machen: auch hier lautet die Antwort: ein Mehrturm ist genug. Wie bekam Norbert den? In der folgenden Stellung stach seinen Gegner der Hafer:

Sehn - Akman, Stellung nach 11. Kh2

Schwarz spielte 11… f5 und stand nach dem offensichtlichen 12. Sg5 Dd7 13. exf5 nicht nur mit einem Bauern weniger da, sondern auch vor der Frage, was er zusätzlich gerne abgeben möchte. Nach 13… Lxf5 oder Txf5 gewinnt g4 eine Figur, nach 13… gxf5 hängt nicht nur Springer h5 mit Mattdrohung, sondern es folgt danach auch noch Sxe6 und wegen Ld5 kann die schwarze Dame nicht zurücknehmen. Er entschied sich schließlich für 13… Lf7, wonach aber 14.Sxf7 Txf7 15. Ld5 zu besagter Materialverteilung führt. Schwarz versuchte es noch mit einem wilden Gehacke, doch Norbert behielt immer den Überblick. Und die Schlußstellung ist ein schöner Beleg dafür, warum sich ein Mehrturm meistens durchsetzt.

Sehn - Akman, Stellung nach 31. Tf7

Matt in 5

Müller, Horst (1821) – Faßler, Felix: Remis

Das muss eine frustrierende Partie für Felix gewesen sein, in der er nach wenigen Zügen gut stand, ihm der Vorteil aber immer wieder durch die Finger glitt. Nehmen wir zum Beispiel diese Stellung:

Müller - Faßler, Stellung nach 19. Tf1

Schwarz hat alle weißen Figuren zurückgetrieben und dominiert das Brett. So hat der Tf1 keine Felder und Schwarz würde mit Le2 die Qualität gewinnen, wenn der Sc3 nicht wäre. Das lässt sich durch 19… b5 erzwingen, wenn auch auf Kosten eines Bauern. Doch Stockfish weist zurecht darauf hin, dass 19… Dd7 (deckt b7 und b5) oder 19… e4 (schränkt den Lg2 ein) stärker gewesen wäre. Denn nach 20. axb5 axb5 21. Sxb5 Le2 hat Weiß seinen Damenflügel befreit und die Stellungsbewertung ist praktisch ausgeglichen. Weiß spielte 22. Te1, wohl um den Turm gegen den Riesen auf d3 zu tauschen. Interessanterweise ist es für Weiß aber besser, auf f1 schlagen zu lassen. Das Hauptargument ist wohl, dass Weiß die Zeit nutzen kann, um am Damenflügel aktiv zu werden. Zum Beispiel mit 22. La3 Lxa3 23.Txa3 Tb8 24. Sa7 Dd7 26. Sc6 (26. Lc6 Dh3) 26… Tb5 27. Ta7 De6

Müller - Faßler, Analysediagramm

Im Vergleich zum letzten Diagramm hat sich die weiße Stellung deutlich verbessert. Der Turm f1 ist immer noch nicht zu retten, aber die Aktivität der anderen Figuren und der Mehrbauer auf b3 halten die Stellung ausgeglichen.

Nach dem Partiezug behielt Felix seinen Vorteil und konnte ihn nach und nach ausbauen. Die nächste interessante Stellung entstand im 32. Zug:

Müller - Faßler, Stellung nach 32. Sa7

Was könnte natürlicher sein, als mit 32… Tc7 den Springer anzugreifen? Das Problem ist, dass nach 33. Sc6 g6 34. Ld5 Lg7 35. e4 der schwarze Turm nicht mobil ist. Vergleicht das mal mit 32… Tc5 33. Ld5 (33. Sc6 Tb6 und der Springer hat keine Felder, weil der Turm jetzt den Bauern auf e5 deckt) 33… Ta5 34. Sc6 Ta1+ 34. Kg2 Taa2

Müller - Faßler, Analysediagramm

Nach dem Partiezug konnte Weiß dank seines Läufers auf d5 alles zusammenhalten. Im 41. Zug gab es sogar noch einen kurzen Schreckmoment:

Müller - Faßler, Stellung nach 41. . . Kh6

42. Se6 hätte Schwarz jetzt vor große Probleme gestellt. zum Beispiel 42… Tc8 43. Txf6 Tb6 44. g4 und wegen der schlechten Königsstellung muss Schwarz die Qualität zurückgeben, wonach Weiß dank der zwei Mehrbauern und der Königsstellung auf Gewinn steht. Zum Glück machte Weiß den zweiten Zug vor dem ersten und nach 42. g4 Tb6 43. Se6 Txe6 44. Lxe6 Kg7 blieb der Bauer f6 auf dem Brett und Felix konnte die Stellung trotz Minusbauern relativ leicht remis halten. Das ist immer eine Gefahr, wenn man so lange gut steht, aber nicht durchkommt: dass man in besserer Stellung einen Verlustzug spielt, weil man gewinnen will. Am Ende also ein wenig Glück für Felix, vorher aber viel Glück für seinen Gegner, der mit dem Remis auch mehr als gut bedient war.


Vor den marodierenden DWZ – Diebesbanden, die mir zuletzt an an allen Ecken auflauerten ins Ausland geflohen, kann ich gerade nicht an Mannschaftskämpfen teilhaben. Dank Marius Partienservice für die Mannschaft, bekomme ich aber wenigstens einen Einblick ins Geschehen, auch wenn ich die Dramaturgie des Kampfes natürlich nicht mitbekomme. Meine Eindrücke und ein paar interessante Stellungen habe ich hier für die zusammengestellt, die auch nicht dabei sein konnten. Dabei versuche ich, möglichst die Eröffnungsphase zu überspringen. Es ist ja nicht nötig, dass sich unsere nächsten Gegner mithilfe unserer Homepage vorbereiten können. Daher gibt es hier auch nur Partiefragmente, keine vollständigen Partien.

Aus der Ferne mit der Lupe

SC Fulda 1 – SK Gießen 1: 4,5-3,5; VL Nord, Rd. 7

Ein wichtiger Sieg gegen einen direkten Aufstiegs-Konkurrenten. Am Ende war es der knappstmögliche Sieg, aber wenn ich die Partien durchklicke, wären 5 – 3 oder 5,5 – 2,5 viel wahrscheinlicher als ein 4 – 4. In diesem Sinne also trotz diverser Unfälle eine stabile Vorstellung. Aber das ist meine Meinung, ohne die Dynamik des Kampfes miterlebt zu haben. Die Gießener werden das sicher anders sehen.

Derichs, Roger (2218) – Töpfer, Albrecht: 1-0

Albrecht spielte mit Schwarz in einer englischen Eröffnung aggressiv auf Königsangriff und opferte früh einen Bauern, um die weiße Königsstellung zu schwächen. Leider kam der Angriff aber nie richtig ins Rollen und bald musste er ein Endspiel mit Dame + 2 Springer gegen Dame + Läuferpaar verteidigen, in dem er immer noch einen Bauern weniger hatte. Da müsste man schon Stockfish sein, um das zu halten. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen. Was vermutlich nur bedeutet, dass ich die Feinheiten nicht verstanden habe.

Weise, Martin – Konrad, Lutz (1956): 0-1

Ganz anders verlief die Partie bei Martin. Das Ergebnis war zwar das gleiche, aber der Weg dahin wesentlich turbulenter. Es begann mit einer von Martins harmlos aussehenden Eröffnungen, die aber ein paar versteckte Fallstricke enthalten. Nach 15 Zügen ergab sich die folgende Stellung:

Weise - Konrad, Stellung nach 16. . . 0-0

Weiß hat mit dem Entwicklungsvorsprung und Raumvorteil mehr als genug Kompensation für den geopferten Bauern. Der Läufer auf c8 hat einen weiten Weg, bis er am Spiel teilnehmen wird und das gleiche gilt für die beiden schwarzen Türme. Lange kann es nicht dauern, bis einer der beiden weißen Bauern als Freibauer auf der sechsten Reihe auftaucht und die schwarzen Kräfte vollständig bindet. Doch anstatt das mit 16. Tac1 oder 16. Tfd1 vorzubereiten, zog Martin sofort 16. c6. Hatte er übersehen, dass nach 16… bxc6 17.dxc6 Dxc6 18. Lf3 nicht den Turm gewinnt? Oder war es von vornherein sein Plan, mit 18. Tac1 weiter auf Initiative zu setzen? Wenn ja, dann ging der Plan voll auf, denn im 30. Zug hatte er bereits die folgende Stellung erreicht:

Weise - Konrad, Stellung nach 30. Txe5

Weiß hat gerade den ersten Bauern zurückgewonnen und droht Txe7 und / oder Dc3. Tatsächlich ist 30… Dd6 der einzige Zug, mit dem Schwarz das Gleichgewicht halten kann. Schwarz spielte jedoch 30… Tab8 und sah sich nach 31. Dc3 genötigt, mit 31… Txb3 die Qualität zu geben. Doch auch wenn danach noch der Bauer a4 fällt, ist das resultierende Endspiel aufgrund der schlechten schwarzen Königsstellung verloren.

Weise - Konrad, Stellung nach 43. . . g5

Auf den ersten Blick ist das Material ausgeglichen (Läufer und Freibauer gegen Turm) und wenn es Schwarz gelingt, alle Bauern zu tauschen, sollte die Stellung haltbar sein. Daher auch der Vormarsch der Bauern am Königsflügel und die verständliche Reaktion von Martin, mit 44. h5 dem Tausch aus dem Weg zu gehen. Aber tatsächlich ist das der erste Schritt vom rechten Pfad. Bei meiner Engine fällt die Bewertung von +5,6 auf +2,5! Weiß steht zwar immer noch klar besser, aber der Bauer h5 ist anfällig und der König kommt nicht so schnell voran, wie es wünschenswert wäre. Laut Engine geht der Gewinn hier über die schlechte Königsstellung, auf die Bauern kommt es gar nicht so an: z.B. 44. hxg5 hxg5 45.f4 fxg4 Kxg4 Ld3 46. Ke5 Lb1 (46… Ke8 47. Ke6 Kf8 48. g3) 47. g3 Ld3 48. Kf6 Ke8 49. Te7+ Kf8 50. Td7 Lb5 51. Td8 Le8 52. Ta8 und Weiß gewinnt.

Weiter ging es mit 44… Kg8 45. f3 (hier war nochmal die Chance, mit f4 in ähnliche Bahnen wie oben überzuleiten) 45… Lc4 46. Kf2 f4 47. Ke1 und die Engine Bewertung ist bereits bei 0.0 angekommen!

Weise - Konrad, Stellung nach 47. Ke1

Schwarz kann z.B. mit 47… Lf7 48. Txa6+ Kg7 49. Ta7 Kf6 den König aus der Gefangenschaft befreien und den h – Bauern gewinnen. Wie soll der weiße König dann noch eingreifen? Dazu muss man allerdings wissen, dass diese Stellung mit Schwarz am Zug Remis ist:

Weise - Konrad, Analysediagramm

Während in dieser Weiß gewinnt:

Weise - Konrad, Analysediagramm

Der Unterschied ist der Bauer h5, der den schwarzen König zum Rückzug auf die achte Reihe zwingt, was Weiß wie oben gezeigt ausnutzen kann.

Ähnlich kam es in der Partie, wo im 52. Zug die folgende Stellung erreicht wurde:

Weise - Konrad, Stellung nach 52. Kc3

Auch hier hätte z.B. Le8 remis gemacht, mit der gleichen Idee wie oben: Weiß kann zwar den a – Bauern gewinnen, aber der h – Bauer fällt, bevor der weiße König den schwarzen abdrängen kann. Aber wie gesagt: um so zu spielen muss man sich sicher sein, wie die Stellung zu halten ist. Und grundsätzlich will Schwarz Bauern tauschen. Also spielte Schwarz 52… g4, wonach Weiß mit dem Bauern f4 ein weiteres Angriffsziel erhält. Es folgte: 53. Kd4 Kf5 (?) (sieht logisch aus, um den weißen König zu shouldern, aber Schwarz muss versuchen über die schwarzen Felder zu laufen. Richtig war 53… Kg5 54. Tc2 Kh4. Jetzt muss Weiß entweder den Schwarzen König an den f Bauern heranlassen, oder mit dem König auf f3 zurückschlagen und damit auf die Möglichkeit eines Freibauern verzichten: 55. Ke4 gxf3 56. Kxf3 (56. gxf3 Kg3 57.Tc7 Le2) Kxh5 57. Kxf4 Kg6.

54. Tc2 gxf3 55. gxf3 Kg5 56. Ke5 Kxh5 und nach 57. Kxf4 hat Weiß endlich einen Freibauern und gewinnbringenden Vorteil. Aber leider spielte Martin 57. Kf5. Vermutlich wollte er den schwarzen König mit der Mattdrohung Th2 noch weiter abdrängen und erst nach dem scheinbar erzwungenen Kh4 auf f4 schlagen. Aber Ld3+ wehrt die Drohung ebenfalls ab und gewinnt noch dazu den Tc2. Ein trauriges Ende, dass der gehaltvollen Partie nicht würdig war.

Rudolph, Peter (2047) – Fritz, Marius: Remis

Marius spielte eine sehr positionelle Partie, in der er mit Schwarz erst ausglich, dann langsam die Initiative übernahm und dann den Druck konstant aufrechterhielt. Doch leider konnte sein Gegner alles zusammenhalten und die Partie überschritt nie wirklich die Remisbreite. Es ist schwierig einzelne Stellen herauszupicken, aber hier eine Position in der Marius vielleicht ein wenig mehr Druck machen konnte:

Rudolph - Fritz, Stellung nach 45. Se2

Weiß steht passiv: Der Läufer ist schlecht, der Th2 ist an die Verteidigung des Bauern auf g2 gebunden. Der Td2 teilt das gleiche Schicksal, auch wenn er zusätzlich die einzige schwarze Schwäche, den Bauern d6 im Blick behält. Mit dem letzten Zug will Weiß wohl Sd4 verhindern, unterbricht aber die Verbindung zwischen Td2 und Bg2. Laut Stockfish hätte Marius das mit 45… h4 ausnutzen können, denn den Bauern zu schlagen vermehrt die weißen Sorgen: z.B. 46. Txh4 Txg2 47. Th7 T8g7 48. Txg7 (48. Th6 Sd4 und Weiß muss auf d4 die Qualität geben) 48… Txg7 und Schwarz hat am Königsflügel freie Hand, um mit Turm auf der h – Linie und dem Springer auf d4 oder g5 Druck zu machen. Z.B.:49. Sc3 Sd4 50. Ld1 Kc7 51. Td3 Th7 52. Kg2 Kb6 53. Sd5 Kc5.

Nimmt Weiß den Bauern nicht, kann Schwarz seine Stellung mit Kc7-b6-c5, ggf. Ld7 und Sc5 weiter verstärken. Nichts davon ist erzwungen oder auch nur von weitem klar abschätzbar. Ich kann Marius Entscheidung, den Bauern auf h5 zu lassen wo er zuverlässig gedeckt ist, gut verstehen. Auch so konnte er mit seinem König in die weiße Stellung eindringen. Aber es reichte nicht, um Weiß noch zu einem weiteren Fehler zu provozieren. Aber trotzdem: eine saubere Positionspartie von Marius!

Kloninger, Paul – Mastiuk, Ivan (2286): 1-0

Paul spielte ebenfalls eine schöne Positionspartie, seine wichtigste Entscheidung fiel vermutlich bereits im 18. Zug:

Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 17. . . fxe4

Der Computer bewertet die Stellung als ausgeglichen und hat viele gleichwertige Züge für Weiß im Angebot: 18.f3, 18.f4, 18.La4, 18.Dg4 liegen alle bei Bewertungen von 0.0 bis +0.2. So auch 18. Lxc6, der Zug den Paul spielte. Gegenüber den anderen hat dieser aber den Vorteil, dass nach 18… dxc6 19. Tc2 die Stellung klar definiert ist: der Bauer auf c6 soll als Schwäche markiert, festgelegt und massiert werden. Und auch wenn der Computer fröhlich pfeifend auf Ausgleich plädiert: ich würde es hassen, in dieser Situation Schwarz zu sein. Und garantiert etwas Überhastetes unternehmen, um das Problem zu lösen. So erging es auch dem Schwarzen, der mit 19… e5 versuchte, das Zentrum aufzulösen, nur um sich nach 20. Rfc1 Qb7 21. Bc3 Rf5 22. Qg4 g6 23. dxe5 Bxe5 24. Bxe5 Rxe5 25. b3 am falschen Ende der Massagebank wiederzufinden. Der Rest erklärt sich am einfachsten in Bildern:

Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 25. b3
Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 31. . . Dd7
Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 38. Df1
Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 50. h4
Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 58. Ke5
Kloninger - Mastiuk, Stellung nach 64. Kxe4
Kloninger - Mastiuk, Endstellung nach 68. Kg6

Aber vergessen wir nicht, dass so eine Partie zu spielen viel schwieriger ist, als es beim Durchklicken aussieht. Es gab sicher viele Möglichkeiten, den Vorteil zu vergeben und die meisten von uns hätten vermutlich eine davon gefunden. Also: Hut ab vor Pauls technischer Klasse. Aber auch ein wenig Mitgefühl für seinen Gegner: das müssen schmerzhafte Stunden gewesen sein…

Villip, Sofiia (2023) – Kierzek, Matthias: 0-1

Matthias spielte eine lange und komplizierte Partie. Hier ein paar Highlights:

Villip - Kierzek, Stellung nach 13. Lxf3

Weiß hatte mit g4 einen Springer von f5 vertrieben, wohl um den Druck auf d4 zu vermindern. Wenn Schwarz wie in der Partie aber g4 mit Sh4 beantworten kann, hat Weiß meiner Meinung nach vor allem die Königsstellung geschwächt. In der obigen Stellung lässt sich das mit 13… h5 ausnutzen, denn nach 14. gxh5 gewinnt 14… Dh4 den Bauern zurück (15. hxg6 Dxh2 matt). Ein Trick, den zu kennen sich lohnt. Es ist also besser, nicht auf h5 zu nehmen. Aber sowohl nach 14. Lf4 hxg4 15. Lxg4 Tc8 als auch 14. g5 a5 15. b5 (15. bxa5 Dxa5) 15… Se7 sieht der Computer Schwarz im Vorteil. Insbesondere die zweite Variante ist ein schönes Beispiel dafür, wie Schwarz in diesen Stellungen das Spielen auf beiden Flügeln kombinieren kann.

Mit 13… Le7 wählte Matthias eine etwas ruhigere Gangart und rochierte erst, bevor er den weißen Damenflügel attackierte. Zur Krise kam es, als Matthias sich entschloss das Weiße Zentrum aufzubrechen:

Villip - Kierzek, Stellung nach 24. . . f6

Mit 25. Lxb4 entschloss sich Weiß, den Läufer zu tauschen, was aber wegen der schwachen schwarzen Felder nicht gut sein kann. Folgerichtig stand Matthias nach 25… axb4 26. Sh5 fxe5 27. dxe5 Sc8 28. Dd4 Dg5 (Computer sagt b3!) 29. h3 sehr gut, griff aber mit 29… g6 daneben und schwächte nicht nur seine Königsstellung, sondern nahm der Dame auch ein wichtiges Feld. Nach dem logischen 30. Sf6+ Kg7 31. f4 Dh4 war die folgende Stellung entstanden:

Villip - Kierzek, Stellung nach 31. . . Dh4

Plötzlich stehen die weißen Figuren viel aktiver und mit 32. Dc5 hätte Weiß bei anhaltendem Druck einen Bauern gewinnen können. Die schlechte Königsstellung in Verbindung mit dem Springer auf c8 binden Schwarz die Hände. Vielleicht hatte Matthias’ Gegnerin Sorge vor 32… Txf6 33. exf6 Df6. Aber bevor Schwarz auf f4 nehmen kann, muss er sich erst um seinen Springer kümmern, so dass Weiß mit z.B. 34. Te1 klaren Vorteil behält. Vermutlich waren die letzten Züge aber schon von zeitnot geprägt, denn Weiß spielte mit 32. Df2 einen passiven Zug, der jeden Vorteil vergab. Nach 32… Dxf2 ist Schwarz wieder voll im Rennen und als Weiß im 39. Zug die Zeit überschritt, stand Matthias wieder klar besser. Eine spannende Partie, bei der man auch beim Nachspielen die Anspannung der Spieler spürt.

Berndt, Matthias – Bicer, Himmet (1921): Remis

Auch Matthias spielte den vom Gegner angebotenen Sizilianer nicht offen. Beide Seiten fianchettieren den Königsläufer und Matthias versuchte am Königsflügel Druck aufzubauen. Anstatt dagegenzuhalten, überließ sein Gegner ihm auch noch das Zentrum, so dass Matthias auch gefahrlos am Königsflügel expandieren konnte. Im 18. Zug kam es dann zu folgender Stellung: Stellung nach 17… f6

Weiß hat Raumvorteil und die besseren Figuren. Stockfish bewertet die weiße Stellung mit +1,4 und schlägt vor, mit 18. Dd2 die Dame aus der Diagonale b5-f1 zu entfernen. Matthias entschied sich, mit

18. exf6 Sxf6 19. Se5

die e-Linie zu öffnen und einen starken Springer auf e5 zu verankern. Der Nachteil ist allerdings, dass dadurch der Springer e8 aktiviert wurde und unter Umständen Zugang zu e4 erhalten kann. Zusätzlich ist die weiße Bauernstellung aufgrund des vereinzelten Bauern d4 geschwächt. Schließlich gewinnt jetzt auch das Manöver 19… Txc3 an Kraft, das vorher nur die halbwegs aktiven Ld7 und Tc8 gegen die weißen Sc3 und Tf1 getauscht hätte. Der Se8, Tf8 und Lg7 wären dagegen passiv geblieben. Jetzt würde Stockfish diese Variante mit Freuden wählen und behauptet, dass danach die Stellung ungefähr ausgeglichen ist. Matthias Gegner spielte jedoch

19… Se5

wonach z.B. 20. Dd2 den weißen Vorteil festgehalten hätte. Stattdessen wollte Matthias aber wohl direkt aktiv werden und den zweiten Springer ins Spiel einbeziehen:

20. Sa4

vermutlich um c5 zu besetzen, wonach allerdings

20… Sxe5 21. fxe5 Lb5 22. Dd2 Se4

zu einer Transformation führte, mit der Schwarz vollständig ausgleichen konnte:

Berndt - Bicer, Stellung nach 22. . . Se4

Anschließend verschwanden erst die Türme, dann der Lg2 und der Se4, so dass im 30sten Zug nichts mehr da war, was ein Weiterspielen gerechtfertigt hätte.

Eckhardt, Thorsten (1981) – Sehn, Norbert: Remis

Norbert baute sich mit Schwarz zurückhaltend aber sicher auf. Weiß verwaltete dagegen einen leichten Raumvorteil, aber nichts Kritisches war passiert, bis Weiß im 14. Zug zu langsam spielte:

Eckhardt - Sehn, Stellung nach 14. a3

Wer sieht den kleinen Schlag, der sich unerwartet für Schwarz ergeben hat? Richtig. 14… Lxg2! würde die Stellung zugunsten von Schwarz kippen lassen. Z.B. 15. Lxe6 fxe6 16. Kxg2 Sd5 und der schwache weiße König wird sich noch lange Sorgen machen müssen. Leider zog Norbert aber direkt 14… Sd5 und nach weiteren 13 Zügen in denen sich Weiß vor allem bemühte möglichst schnell möglichst viel abzutauschen, endete die Partie unentschieden.

Faßler, Felix – Sunder, Thomas (2052): 1-0

Eine Partie in der Felix versuchte am Damenflügel Druck aufzubauen, der Gegner aber gnadenlos jede Gelegenheit zu einem Abtausch wahrnahm und so das Spiel im Keim erstickte. Eigentlich ein Plädoyer für das Freestyle Chess, bis die folgende Stellung erreicht wurde:

Faßler - Sunder, Stellung nach 38. Sd5

Schwarz ist kurz vor dem Ziel, nicht nur ist der 40. Zug nur noch zwei Schachs entfernt, Weiß hat auch praktisch nichts mehr, mit dem er noch nerven könnte. Außer vielleicht mit g4 den Springer zu vertreiben. War das vielleicht der Grund, warum Schwarz direkt 38… h5 zog und den Turm einstellte?


Vor den marodierenden DWZ – Diebesbanden, die mir zuletzt an an allen Ecken auflauerten ins Ausland geflohen, kann ich gerade nicht an Mannschaftskämpfen teilhaben. Dank Marius Partienservice für die Mannschaft, bekomme ich aber wenigstens einen Einblick ins Geschehen, auch wenn ich die Dramaturgie des Kampfes natürlich nicht mitbekomme. Meine Eindrücke und ein paar interessante Stellungen habe ich hier für die zusammengestellt, die auch nicht dabei sein konnten. Dabei versuche ich, möglichst die Eröffnungsphase zu überspringen. Es ist ja nicht nötig, dass sich unsere nächsten Gegner mithilfe unserer Homepage vorbereiten können. Daher gibt es hier auch nur Partiefragmente, keine vollständigen Partien.