Wenig wurde darüber gesprochen, aber auch in diesem Jahr fand wieder ein Viererpokal statt. Im Bezirk gehörten wir wie immer zu den Favoriten. Aber das eine ist, zu den größten Vereinen im Bezirk zu gehören. Die Spieler auch ans Brett zu bringen, ist da schon etwas anderes. An dieser Stelle also erstmal vielen Dank an alle, die mitgespielt haben. Und insbesondere an diejenigen, die sich um die Organisation gekümmert haben. Ich hoffe, dass ich niemandem Unrecht tue, wenn ich hier besonders Albrecht und Marius nenne.
Osthessen – Achtelfinale
Die erste Runde fand bereits im März statt. Am 15.03. siegten Samuel Fast, Martin Weise, Dr. Thomas Richter und Josip Janusic gegen Rotenburg 1 glatt mit 4:0.
Dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat, musste Bad Hersfeld 1 erfahren, die in dieser Runde trotz deutlicher DWZ – Überlegenheit gegen Schenklengsfeld 1 nach Berliner Wertung ausschieden.
Osthessen – Halbfinale
In der zweiten Runde war Fulda spielfrei und am 31.05. kam es dann schon zum Halbfinale in Schenklengsfeld. Samuel Fast spielte wieder am ersten Brett, verlor aber leider nach großem Kampf. An Brett 2 nahm Albrecht Töpfer Schwarz und überspielte seinen Gegner aus der Eröffnung heraus. Felix Faßler an drei hatte ebenfalls Schwarz. Sein Gegner tauschte ambitionslos alles herunter, nur um dann ein remisliches Turmendspiel zu verlieren. Am vierten Brett hatte Josip Janusic Weiß und gewann eine schöne positionelle Partie mit einem plötzlichen, taktischen Ende. Die Partie findet ihr am Ende des Artikels.
Osthessen – Finale
Mit dem 3-1 gegen Schenklengsfeld war Fulda im Finale gegen Lauterbach, die allerdings nicht antraten. Ich kenne den Grund nicht, finde es aber schade, wenn ein Finale nicht ausgespielt wird. Auch wenn es “nur” um den Bezirkspokal ging. Auf jeden Fall ging damit der Pokal für Osthessen wieder an uns. Auch wenn es am Ende etwas antiklimatisch war, ein schöner Titel für den Verein.
Hessen – 1.Runde
Am 28.06. sollte es dann auf Landesebene weitergehen, doch diesmal trat Wiesbadener SV 1 nicht an. Damit war Fulda im Achtelfinale, wo sich dann zum Glück wieder ein Gegner finden ließ.
Hessen – Achtelfinale
Zum Achtelfinale ging es zu den Schachfreunden Eltville. Zugegebenermaßen benötigte ich Google Maps, um herauszufinden, dass Eltville hinter Wiesbaden am Rhein liegt. Peinlich, denn auf den Fotos sieht es nach einem sehr schönen Flecken Erde aus. Für unser Team, bestehend aus Albrecht Töpfer, Dr. Matthias Kierzek, Samuel Fast und Felix Faßler, bedeutete die Auslosung auf jeden Fall erstmal 1,5 Stunden Autofahrt von Fulda. Immerhin lohnte sich die Reise, denn mit einem 3,5 – 0,5 Sieg kamen bis auf Matthias alle auf ihre Kosten.
Hessen – Viertelfinale
Im Viertelfinale gab es dann wieder ein Heimspiel. Bisher war der Heimvorteil ja immer so stark gewesen, dass die Gegner gar nicht erst angetreten waren. Doch Wolfhagen 2 schaffte es immerhin, drei von vier Spielern nach Fulda zu bringen. Damit bekam Dr. Matthias Kierzek einen kampflosen Punkt, aber Dr. Thomas Richter und Samuel Fast waren vermutlich zu sehr überrascht vom Auftauchen ihrer Gegner. Sie stellten offenbar beide nach wenigen Zügen jeweils den e – Bauern und die Partie ein. Damit musste Marius am ersten Brett mit Schwarz gegen GM Baklan (DWZ 2553) gewinnen, um einen Tiebreak zu erzwingen. Wenig überraschend gelang das nicht, so dass wir am Ende mit 1 – 3 aus dem Pokal ausgeschieden sind.
Schade, das Ende war sicher etwas unglücklich. Insgesamt aber ein guter Lauf, auch wenn es traurig ist, wie viele Wettkämpfe kampflos gewonnen wurden. Aber dafür können wir ja nichts. Nochmal: Großes Lob an alle Spieler!
Hier noch Josips Partie aus dem Wettkampf gegen Schenklendsfeld. Wie üblich ohne die Eröffnungsphase, um nicht zu viel zu verraten.
Janusic, Josip – Rosenthal, Achim: 1-0

Weiß hat zwar das Läuferpaar, doch dafür hat Schwarz den schönen Springer auf d5 und sein schwarzfeldriger Läufer ist deutlich aktiver als der auf d2. Der weiße Plan ist offensichtlich der Minoritätsangriff mit b4-b5, dafür hat Josip bereits die Türme auf die halboffene c-Linie gebracht, um später den Bauern c6 zu massieren. Das schwarze Gegenspiel sollte am Königsflügel sein, wo sich ein Plan basierend auf g5 nebst f5-f4 aufdrängt. Doch zunächst muss ein taktisches Problem gelöst werden. Weiß droht schließlich Lxd5, wonach Schwarz wegen der Fesselung des c – Bauern nicht zurücknehmen kann. Insgesamt ist die Stellung ausgeglichen. Doch aufgrund der Initiative hat Weiß meines Erachtens die besseren praktischen Chancen.
22… Lc7
Die erste Ungenauigkeit von Schwarz. Der Computer zieht Le7 vor, weil man dann nach weißem h4 trotzdem g5 spielen kann. Josip versteht sehr gut, dass Schwarz sich in eine weitere Fesselung manövriert hat und verstärkt direkt den Druck am Damenflügel:
23. b4 a6 24. Lb3
Direkt mit 24. a4 fortzusetzen wäre ebenfalls möglich gewesen. Doch Jospis Fortsetzung ist nicht schlecht und weist den Gegner darauf hin, dass die Kombination aus Läufer c7 und Tc8 Probleme bekommt, wenn sich die c – Linie öffnet.
24… Lb6?!
Schwarz beginnt das Problem zu lösen, stellt den Läufer aber auf ein Feld, wo er nichts tut, außer den d – Bauern anzustarren.
25. a4 Tb8
Schwarz hat nun endlich sein Problem auf der c – Linie gelöst und überdeckt den b7 – Bauern prophylaktisch.
26. La2
Leider etwas zu langsam. Schwarz hat mit Läufer und Turm viel Zeit verloren und Josip die Möglichkeit gegeben, seinen Angriff ungehindert fortzusetzen: Nach 26. b5 kann Schwarz nämlich nicht zweimal auf b5 schlagen, denn nach 26… axb5 27. axb5 cxb5 gewinnt 28. Tc5! direkt:
Analysediagram

Ein Motiv, das man sich merken sollte, um einen Minoritätsangriff zu spielen. Aber es ist auch nur deshalb möglich, weil Schwarz die Fesselung des Springers nicht aufgehoben hat und sich stattdessen um Läufer und Turm gekümmert hat. Hätte er den Läufer nicht nach c7 gezogen, hätte er locker Zeit für Kh7 oder Kf8 gefunden. Leider gibt Josips Zug ihm genau dafür die benötigte Zeit.
26… Kh7 27. Kg2
Josip switcht nun seine Aufmerksamkeit zum Königsflügel, wo der schwarze König etwas einsam erscheint. Als ich die Partie das erste Mal sah, hielt ich das für ungenau. Schließlich sind alle weißen Figuren am Damenflügel. Und man soll ja auf der Seite des Brettes spielen, wo man ein Übergewicht hat. Aber tatsächlich ist Josips Idee sehr aufmerksam, denn nach der verpassten Chance im vorherigen Zug muss Weiß jetzt die Aktivität auf beiden Flügeln kombinieren, um seinen Vorteil festzuhalten. Der Computer findet das prinzipielle 27. b5 zwar etwas stärker (Kg2 ist aber die zweite Linie), setzt aber nach 27. axb5 28. axb5 cxb5 29. Tb1 Sc7 auch mit 30. g4 fort. Eine Variante, die alles andere als intuitiv ist und unter menschlichen Gesichtspunkten, finde ich Josips Herangehen deutlich logischer.
27… Td7 28. g4 Ld8?!
Mir ist nicht klar, was der Läufer dort leisten soll. 28… f4 ist viel logischer, um Gegenspiel zu initiieren. Josip nutzt die Ungenauigkeit konsequent, um seine Initiative auszubauen:
29. b5 axb5 30. axb5 cxb5?
Jetzt fällt die schwarze Stellung auseinander. Die Figuren sind einfach zu unkoordiniert:
31. Tc5 Se7 32. Txb5
Diagramm nach 32. Txb5
Die schwarze Stellung ist extrem schwer zu spielen. Obwohl es keinen forcierten Gewinn gibt, zeigt der Computer schon +3 an. Wenn man die Stellung mit dem allerersten Diagramm (nach 22. Lc4) vergleicht, sieht man auch warum: Der einst so stolze Springer hat keine guten Felder mehr, die Türme sind unkoordiniert, der weißfeldrige Läufer von Weiß kann nun seine ganze Kraft auf der Diagonale a2-g8 ausspielen und den König einsperren. Der Ld2 hat jetzt gute Felder auf b4 und c3, während sein Gegenüber gerade auf d8 den Se7 deckt. Und der Bauer b7 wird früher oder später fallen…
Kurz: Josip hat seinen Gegner nach allen Regeln der Kunst positionell überspielt. Wenig verwunderlich, dass Schwarz auf der suche nach Erleichterung Selbstmord begeht:
32… fxg4 33.hxg4
Und Schwarz realisierte wohl, dass gegen Th1 kein Kraut gewachsen ist.
1-0
Eine sehr schöne Leistung von Josip. Gratulation!