Aufstieg!
SC Fulda 1 – SK Gründau 1: 4,5 – 3,5; VL Nord, Rd. 9
Der letzte Kampf der Saison und der Einsatz hätte nicht höher sein können: der Sieger steigt auf. Und wieder war es knapp. Diesmal aber nicht, weil wir unsere Chancen liegen ließen, sondern weil die Gründauer nur wenige Chancen zuließen und wir praktisch jede einzelne ergreifen mussten, um den Aufstieg klar zu machen. Auch wenn sich Gründau am Ende in der Tabelle auf dem vierten Platz wiederfindet, wurde das Saisonfinale absolut den Erwartungen gerecht, die man an ein Match “Erster gegen Zweiter” stellt. Ich war selbst nicht vor Ort, doch MF Martin berichtete, dass Gründau mit 3,5 – 1,5 in Führung ging. Aber weil ich die genaue Dynamik nicht kenne, gehe ich auch diesmal wieder die Brettreihenfolge durch. Am Ende steht jedoch eines fest: nächstes Jahr spielen wir wieder in der Hessenliga!
Meier, Lars (2077) – Weise, Martin: 1-0
Aus taktischen Gründen spielte Martin diesmal am ersten Brett. Und es lies sich gut an. Sein Gegner spielte die erwartete Variante und Martin fand gut in die Partie. Dann entschied er sich allerdings, sich einen Doppelbauern auf der d-Linie verpassen zu lassen. Steigen wir im 14. Zug ein:

Weiß hat leichten, aber dauerhaften Vorteil. Die beiden Bauern auf d6 und d5 kontrollieren zwar viele Felder im Zentrum, sind aber auch festgelegt und insbesondere der Bauer auf d5 lässt sich leicht angreifen. Zusätzlich wird Weiß die Türme auf der e – Linie verdoppeln. Alles nicht tragisch, aber unangenehm. Schwarz kann relativ leicht ein Turmpaar abtauschen und der weiße Läufer auf d2 ist auch noch weit davon entfernt, gefährlich zu sein. Aber am Ende ist Schwarz zum Stillhalten verurteilt und muss immer ein Auge auf den Bauern d5 haben. Aktives Gegenspiel geht in solchen Stellungen meist nach hinten los, so auch hier:
14… Sf5 15. Tae1 h5
Der Springer auf f5 verhindert, dass Schwarz einen Turm auf die e – Linie stellt, weil dann die Dame überlastet wäre. Mit dem letzten Zug will Schwarz wohl g4 verhindern, um mit Sge7 den anderen Springer besser stellen zu können. Aber damit wird die schwarze Königsstellung unwiderruflich geschwächt.
16. c3 Tac8 17. Sg5 laut Computer nicht der beste Zug, aber er funktioniert perfekt 17… Sh6?

18. Se6! fxe6
Den Turm wegzuziehen hilft nicht weiter: 18… Tf8 19. Lxh6 gxh6 20.f4 und Weiß steht klar besser.
19. Dxg6 Tf6 20. Dxh5
Weiß hat einen Bauern gewonnen und über kurz oder lang wird der Bauer e6 fallen. Martin versuchte noch Gegenspiel gegen f2 zu organisieren, bekam aber im weiteren Verlauf keine wirkliche Chance mehr und musste im 46. Zug aufgeben.
Töpfer, Albrecht – Felczer, Kevin (2134): 1-0
Albrecht spielte eine sehr interessante Partie. Sein Gegner wählte einen flexiblen Aufbau, der Weiß Raumvorteil gibt. Wenn Weiß unvorsichtig ist dem Schwarzspieler aber Chancen auf dynamisches Gegenspiel einräumt. Nach 21 Zügen wurde die folgende Stellung erreicht, in der erst ein einziger Bauer getauscht wurde. Schwarz hat sich zuletzt allerdings ein paar ungenaue Züge geleistet. Trotzdem sieht es bei flüchtigem Hinsehen so aus, als sei alles safe für Schwarz:

Wenn ich Schwarz hätte, würde ich mir die die Stellung so schönreden: “Dame, Turm und Läufer halten den leicht geschwächten Damenflügel zusammen. Der Lh2 ist durch die Bauern d6 und e5 mehr oder minder außer Spiel, der andere Läufer gammelt auf f1 herum. Und der schwarze Springer auf e4 lugt schonmal in die weiße Stellung hinein. Passt schon.” Weit gefehlt, wie Albrecht gleich zeigen wird:
22.Sac2
Mit der Idee den Springer nach b4 zu überführen und auf a6 und d5 Druck zu machen. Der Computer schlägt hier vor, mit 22. Lxa6 die Überlastung des Lb7 auszunutzen, denn nach 22… Lxa6 23.Sd5 hängt der Springer auf e4 plötzlich. Doch um die Abwicklung wirklich zu bewerten, muss man auch eine Antwort auf 22… Sxf2 haben. Weiß hat zwei gute Alternativen, beide verlangen aber einiges an Berechnungen:
I) 23. Lxb7 Sxd1 24. Ld5! Sxe3 25. Lxf7+ Kh8 (das natürliche 25… Kg7 erlaubt 26. Lxe8 und wegen der Drohung Df7+ muss Schwarz auf e8 zurückschlagen) 26. Txe3! (26. Lxe8 Sxg2) 26… Te7 27. Sb5 und d6 fällt auch noch. Weiß bekommt also nach all dem Gehacke zwei Bauern und Angriff für seine Qualität.
II) 23. Lc4 Sxd1 24.Lxf7+ Kg7 (diesmal ist Kh8 wohl schlechter, denn nach 25. Sb5 Dd8 kann Weiß mit der Dame auf d1 schlagen, ohne das der Läufer hängt) 25. Txe8 Txe8 26.Sb5 Dc6 27. Dxd1 und Weiß hat einen Bauern mehr bei anhaltender Initiative.
Aber beide Varianten sind nicht leicht zu berechnen und Albrechts Zug wird nicht signifikant schlechter bewertet als der Computerzug 22. Lxa6. Unter praktischen Gesichtspunkten ist hier die menschliche Lösung vielleicht sogar die bessere. Was wir uns aus den beiden Varianten aber merken können, ist die Schwäche des Punktes f7, die im obigen Diagramm keineswegs offensichtlich ist, aber sowohl in den beiden Varianten, als auch im tatsächlichen Partieverlauf entscheidende Bedeutung hat.
22… Sef6
Verhindert, dass der Springer nach Lxa6 in der Luft hängt, kümmert sich aber nicht um die Diagonale. Besser wäre gewesen, mit 22… exd4 die e-Linie zu öffnen, so dass der Turm den Springer deckt und nach 23. cxd4 b5 dem Läufer das Feld c4 zu nehmen oder auf aktives Gegenspiel zu bauen, wenn Weiß den Bauern schlägt. Ehrlicherweise muss aber dazu gesagt werden, dass der Computer Weiß Vorteil sieht, egal, wie er auf d4 zurücknimmt.
23. Sb4
Richtige Idee, falsche Reihenfolge. Direkt 23. Lc4 wäre stärker gewesen, denn dann hat Schwarz nicht mehr die Möglichkeit auf d4 zwischen zu nehmen.
23… Ta8 24.Lc4!
und plötzlich scheint es unmöglich, die schwarze Stellung zusammenzuhalten. Wie war das mit “gib mir einen festen Punkt, und ich werde die Erde aus den Angeln heben”?
24… Te7 25. Lg3
Kuck mal, wer auch noch mitmachen will. Plötzlich wird der schlafende Läufer zum kaum lösbaren Problem für Schwarz.
25… a5
Danach geht gar nichts mehr. Aber auch der Computervorschlag 25… Lh6 26. Sed5 Sxd5 27. Sxd5 Lxd5 28. Lxd5 Tc8 29. Lh4 g5 30. Lg3 wird nicht lange halten.
26. Sbd5 Lxd5 27. Sxd5 Sxd5 28, Lxd5 Tae8 29. Lh4

Schwarz verliert kompensationslos die Qualität. Albrechts Gegner wehrte sich zwar noch knapp 15 Züge,das änderte aber nichts am Ergebnis (1-0, 53). Eine starke Partie von Albrecht, dessen Gegner bei vollem Brett mit Fug und Recht hätte aufgeben können.
Hankel, Dennis (2067) – Fritz, Marius: 0-1
Eine lange Partie mit einer wilden Anfangsphase, in der Weiß früh zum Königsangriff blies, während Marius versuchte, sich mit Läuferpaar und besserer Bauernstruktur positionelle Vorteile zu sichern. Doch obwohl ihm das gelang, sieht Stockfish Weiß in der folgenden Stellung im Vorteil:

Weiß hat die Entwicklung abgeschlossen und die halboffene g – Linie besetzt. Der schwarze Lc8 ist nicht entwickelt und auch erstmal an die Verteidigung des Bauern f5 gebunden. Die Perspektiven des schwarzen Springers sind auch nicht ganz klar. Dafür hat Schwarz aber das Läuferpaar und der Doppelbauer auf der f – Linie wird in einem Endspiel sicher zum Problem. Insbesondere ohne den schwarzfeldrigen Läufer. Weiß muss also schnell etwas unternehmen, damit er seine Vorteile nutzen kann, bevor Schwarz einen guten Aufbau findet. Unter diesen Gesichtspunkten ist der nächste Zug ein klarer Fehler:
15. d5
Schließt die Stellung und gibt Schwarz Zeit für Gegenspiel am Damenflügel. Viel besser war 15. dxc5, wonach 15… dxc5 die schwarze Dame nach 16. De2 in alle möglichen Abzüge des Ld3 bringt und 15… bxc5 16. Sd5 das schwarze Läuferpaar halbiert und ihn mit der Schwäche auf d6 zurücklässt.
15… Tb8
Marius bereitet b5 vor. 15… Ld7 oder 15… c4 16. Lf1 Ld7 wären vielleicht ein wenig logischer gewesen, um die Entwicklung abzuschließen. Am stärksten war es aber direkt mit 15… b5! anzugreifen: Sowohl nach 16. Sxb5 Db6 17. c4 Tb8 18. Dc2 Db4 Sd2 als auch 16. Lxb5 Tb8 hat Schwarz Vorteil. Hier eine Variante, die Marius sicher sehr gefallen hätte: 17. Tge1 Txb5 18. Sxb5 Lxb2 19. Kb1 (der Läufer kann wegen der Gabel auf c4 nicht geschlagen werden) 19.. Ld7 20. Dd3 (deckt den Springer b5 und verhindert gleichzeitig Sc4. Nach dem Rückzug 20. Sc3 wäre 20… Db8 schon tödlich.) 20… Lf6

Die Mehrqualität nutzt Weiß nichts gegen den schwarzen Plan mit Db6 / Tb8 / Db4 auf der b – Linie einzumarschieren. 21. Sc3 scheitert an 21… Db6+ 32. Kc1 Db4 und 21. Sxd6 Db8+ 22. Kc1 Db4 (22… Dxd6 ist auch gut) 23. Te5 Tb8 24. De3 c4 25. Td4 Dxd6 ist ebenfalls klar besser für Schwarz.
16. Sg5 c4 17. Lf1 b5 18. Se6 Lxe6
Besser war es, mit 18… Db6 19. Sxf8 Kxf8 die Qualität zu opfern, wonach Stockfish nur leichten Vorteil für Weiß sieht. Nach dem Textzug zeigt er dagegen großen Vorteil für Weiß an. (Nebenbei: wer richtig tief einsteigen will, kann das mal mit der Stellung nach 15… Ld7 16. Sg5 c4 17. Lf1 b5 18.Se6 Db6 vergleichen, in der der Computer leichten Vorteil für Schwarz anzeigt).
19. dxe6 b4

hier hätte Weiß 20. Sd5! in klaren Vorteil gebracht. Aber dazu muss man bereit sein 20… Lxb2 zuzulassen. Z.B. 20. Sd5 Lxb2 21. Kb1 De8 (21… Lf6 22. Sxf6+ Txf6 23. Dxd6 Dxd6 Txd6 Te8 Ta6) 22. e7 Tf7 23. De3 Lc3 24. De6 Da4 25. Dxd6 Te8 26. Dc5 und Schwarz fehlt eine gute Fortsetzung für seinen Angriff. Aber wer von uns spielt schon so etwas in einer praktischen Partie? Weiß spielte jedenfalls das sicherere
20. Sa4
wonach Marius weiter im Rennen war.
Danach ging es kräftig hin und her, wobei beide Seiten gute Chancen auf Vorteil liegen ließen. Schließlich wurde das folgende Endspiel erreicht:

Marius hat inzwischen einen (Doppel-)Bauern mehr, aber sein Springer steht auch jetzt noch auf a5 (fast 30 Züge nachdem er dahin gezogen wurde). Weiß zog
46. Ke3
Besser ist 46. Lf1, wonach die Fesselung des Bauern c4 Schwarz daran hindert, am Damenflügel Fortschritte zu machen. So scheitert 46… Sb7 an 47. Td4 und Schwarz muss mit dem Springer zurück nach a5. Und auf 46… Kc6 bzw. 46…Kc5 folgt wieder 47. Lg2 und Schwarz ist auch nicht weiter gekommen. Soweit ich es sehe, ist der einzige ernsthafte Versuch, weiter auf Gewinn zu spielen, die Konstellation am Damenflügel aufzulösen. z.B. mit 46… Te7 (will nach e4) 47. Lg2 Ka4 (nutzt den Moment, da der c – Bauer nicht angegriffen ist) 48. Td6 (greift stattdessen den Bauern b6 an) 48… Tc7 49. Txb6 c3 50. bxc3 Txc3 51 Ld5 Txc2+

Schwarz kann noch etwas weiterprobieren. Der Computer ist zwar zuversichtlich, dass Weiß das halten kann, aber selbstverständlich ist das nicht. Vermutlich wird der Bauer g6 gegen den h3 getauscht und jeder Bauerntausch hilft Weiß, aber die Stellung ist noch nicht ganz klar. Der Partiezug 46. Ke3 läßt dieses Manöver aus der Analyse in einer verbesserten Variante zu, doch Marius geht erstmal an der Chance vorbei:
46… Te7+
Besser war direkt 46… Ka4. Z.B. 47. Lf1 c3 48. bxc3 Txc3+ 49. Kd2 Ka3 oder 47. Kd2 c3+ 48.bxc3 Txc3
47. Kd2 Sb7
der Springer verlässt seinen Posten, den er im achten Zug eingenommen hatte…
48.Lxb7
und wird direkt eliminiert. Weiß hielt sich vermutlich an die alte Weisheit, dass alle Turmendspiele Remis sind. Hier irrt er aber, denn tatsächlich ist dieses Turmendspiel wegen des aktiven schwarzen Königs klar besser für Schwarz. Und nach
48… Txb7 49.c3 Ta7 50. cxb4 Kxb4 51.a3+ Kb3
hatte Marius wenig Mühe, den Sieg einzufahren (0-1, 59). Ein hartes Stück Arbeit!
Kloninger, Paul – Hahn, Florian: 1-0
Paul spielte eine unorthodoxe Variante, in der er zunächst seinen Springer auf b2 fianchettierte und ihn dann zwischen zwei d – Bauern nach d3 stellte. Im 20. Zug erreichte er die folgende Stellung:

Schwarz hat es nicht gut getan, mit d4 eine BenOni artige Struktur zu wählen, denn Weiß hatte auf d3 verzichtet und hat dort ein sehr gutes Feld für seinen Springer gefunden. Weiß verfügt bereits über die weißen Felder und ist im Begriff, die Türme auf der e – Linie zu verdoppeln, was Schwarz komplett ohne Gegenspiel ließe. Verständlich, dass Schwarz eine Strukturänderung suchte, doch nach
20… Sb4 21. Sxb4 cxb4 22. Tae1 Tc7
hat sich eigentlich nur die schwarze Bauernstruktur verschlechtert.
Doch wie gewinnt man so eine Stellung mit Weiß? Paul zeigt den richtigen Plan:
23. h4 Td8 24. h5 Sg8 25. Te5 Sf6 26. g4

Der weiße Angriff nimmt konkrete Formen an, während Schwarz in den letzten Zügen nichts erreicht hat.
26… Tcd7?
Danach bricht die schwarze Stellung zusammen. Das kleinere Übel wäre 26… gxh5 27. gxh5 h6 28. Dg3+ Kh7 gewesen. Immer noch klar besser für Weiß, aber ein besserer Platz für den schwarzen König, als was er in der Partie bekommt:
27. h6+ Kf8 28. g5 Sg8 29. Lh3 Te7 30. Txe7 Sxe7

31. Le6
und es gibt keinen sinnvollen Zug mehr für Scharz. Natürlich zappelte er noch ein wenig, aber im 36. Zug war es dann endgültig vorbei (1-0, 36). Der Computer findet übrigens 31. Te6 noch besser, aber mir gefällt es, dass der Läufer mit seinem ersten richtigen Eingreifen die schwarze Stellung zerlegt.
Bialas, Bernhard (1930) – Berndt, Matthias: Remis
Viel gibt es hier nicht zu erzählen. Weiß wählte einen sicheren Aufbau und an jeder Stelle, an der der Computer einen leichten Ausschlag zu seinem Vorteil anzeigt, wählte er konsequent eine Ausgleichsvariante. Ein gutes Beispiel ist die Stellung kurz vor dem Partieende:

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Weiß hat nicht viel. Aber Schwarz hat drei Bauerninseln und der schwarze Läufer auf d6 ist schlechter als der weiße auf c6. Wichtig ist aber, dass Weiß die beiden Türme auf dem Brett behält, denn ungleichfarbige Läufer lassen sich im Doppelturmendspiel viel besser nutzen, als mit nur einem Turmpaar auf dem Brett. Daraus lässt sich aus meiner Sicht zwar noch kein konkreter Gewinnplan ableiten, aber man kann noch Fragen stellen. Mein Stockfish schlägt z.B. die folgende Variante vor, nach der auch noch nicht viel passiert ist: 29. Te4 Tf6 30. Tg4+ Tg6 31.Tc4 Tf8 32. Le4 Tgf6 33. f3 Lc5

Aber genau das ist das Problem mit der schwarzen Stellung: Weiß kann alles mögliche ausprobieren und Schwarz nur abwarten. Warum also in so einem wichtigen Kampf die Partie mit
29.Tf3
und Remisangebot beenden?
Sehn, Norbert – Deutsch, Christoph (1970): 0-1
In Norberts Partie ging schief, was schiefgehen konnte. direkt nach der Eröffnungsphase war schon ein Bauer futsch und alle Reparaturversuche gingen schief. Ich erspare ihm und euch daher, Diagramme zu zeigen (0-1, 25).
Schlößner, Henrik (1946) – Fast, Samuel: 0-1
Samuels zweiter Einsatz für die erste Mannschaft und sein zweiter Sieg. Nachdem er schon zum 4 – 4 gegen Caissa Kassel einen extrem wichtigen Punkt beigesteuert hatte, war auf ihn auch diesmal wieder verlass. Der Mann kann offensichtlich mit Druck umgehen! Dementsprechend scharf war auch die Eröffnung, die aufs Brett kam.

Schwarz spielt mit viel Risiko. Der König steckt in der Mitte fest und für den Läufer gibt es außer auf d7 kein Feld. Aber auch Weiß ist noch nicht vollständig entwickelt und die vorgepreschten Bauern können schnell zu Angriffszielen werden. Verständlich, dass Samuel hier
16… Ld7
spielte, was die d – Linie versperrt und die große Rochade zumindest ermöglicht. Besser wäre es jedoch gewesen, mit 16… Sd5 die Verbindung zwischen Turm und Dame zu unterbrechen und nach dem erzwungenen 17. e5 mit 17… gxf4 die weißen Königsflügelbauern zu eliminieren. Auch 16…. Txh4 war eine spielbare Alternative, auch wenn das Schach auf d8 unangenehm bleibt.
Nach dem Textzug nahm Weiß jedenfalls unbeschadet den Bauern auf g5:
17. fxg5 Td8 18. g6 (noch stärker sind die ruhigeren Td2 und Th3) 18… f6

Das findet der Computer gar nicht gut und schlägt stattdessen 18… Ke7 oder 18… fxg6 vor. Nach f6 scheint der Punkt e6 kritisch geschwächt, was Weiß auch mit
19. Lh3
direkt zu unterstreichen versucht.
Tatsächlich scheint der Weg zu klarem Vorteil aber nicht über den direkten Angriff, sondern über die Konsolidierung des weißen Mehrbauern zu gehen. Stockfish schlägt zum Beispiel Th3 vor, mit der Idee Td2, Le2 und h5 folgen zu lassen, oder auf der d – Linie alle Schwerfiguren abzutauschen. Hier eine Beispielvariante: 19. Th3 Dc7 (nach 19.. Sc8 Td2 bleibt Schwarz nicht viel mehr, als mit Sb6 einen Tempoverlust einzuräumen), 20. h5 Lc8 21. e5 Txd6 (21… fxe5 22. Se4 ist noch unangenehmer) 22. exd6 Dc5 23. Le2 Df5 24. Td3 mit klarem Vorteil für Weiß.
19. Lh3? Ke7
Noch stärker war 19… Sc4 20. Td4 Db4 und Weiß muss die Qualität geben, um die Drohungen abzuwenden.
20. Td3 Txh4
wieder war Sc4 genauer, aber Samuel wartete offenbar auf den richtigen Zeitpunkt, der nach
21. Df3?
endgültig gekommen war
21… Sc4

Plötzlich steht Schwarz klar besser. Nicht nur wegen der Gabeldrohung auf e5, sondern weil der weiße König schwach ist. Nach
22. Dg3 Th5 23. Kb1 Db4 24. b3 Se5
entschied sich Weiß schon mit
25. Td2 Tc8 26. Txd7
auf Schwindelchancen zu setzen. Samuel wehrte diese aber souverän ab und machte sich daran, das Endspiel zu gewinnen. Im 36. Zug gab es dann aber noch einen überraschenden Plot – Twist:

Vermutlich in Zeitnot entschied er sich zu einer Abwicklung, die das Material reduziert:
36… Te1
ist aber der erste Schritt vom Weg. vielleicht hatte er 36.. Sg5 37. Lg8 Kxg8 39. Sxf6+ gesehen und hatte nicht genug Zeit, um 39… gxf6 40. Txd8+ Kg7 41. Td7+ Kxg6 42. Txb7 f5 richtig einzuschätzen. Noch ist aber nichts Schlimmes passiert.
37. Txe1 Sxe1 38. Sf4
gerade in Zeitnot sind solche Züge extrem unangenehm, die plötzlich neue Motive in die Stellung bringen. Weiß droht mit Se6 eine Gabel und / oder den Bauern g7 zu gewinnen. Aber es gibt einen Weg das abzuwehren:
38… Td1+ 39. Kb2

Samuel hatte noch zwei Züge bis zur Zeitkontrolle. Ich weiß nicht, wieviel Zeit er noch hatte, aber dies war die Stellung in der er daneben griff:
39… Sd3+
gabelt zwar König und Springer, aber Weiß muss nicht Sxd3 spielen. Denn nach dem Partiezug 40. Kc2 sind Springer und Turm angegriffen. Schwarz muss die Qualität zurückgeben! Laut Stockfish sind sowohl 39… Ng2 40. Ne6+ (40. Sxg2 Td2) 40… Ke7 41. Nxg7 Nh4 42. Nh5 Rf1 43. Bd5 Nxg6 als auch 39… Ke7 40. Ne6 Rd2+ 41. Ka3 f5 42. Nxg7 Nc2+ 43. Kb2 Nd4+ 44. Kc3 Rd1 45. Bd5 f4 ausreichend, um zu gewinnen. Aber dafür muss man bei kurzer Bedenkzeit nicht nur abschätzen, dass man den Bauern g6 sicher gewinnt, sondern auch, dass der f – Bauer schneller ist als die weißen Damenflügelbauern. Ob Samuel also den Doppelangriff übersehen hat oder ob er bewusst das nun folgende Endspiel gewählt hat, weiß ich nicht. Aber beides wäre für mich verständlich.
40. Kc2 Sxf4 41. Kxd1 Sd3 42. Ld5 b6 43. a3 Ke7

Nachdem der Rauch sich verzogen hat, ist ein ausgeglichenes Endspiel entstanden, in dem Schwarz noch auf die Schwäche des Bauern g6 hoffen kann, während Weiß auf einen potentiellen Freibauern am Damenflügel setzen kann. Stellt euch die Spannung vor: Gründau führt mit 3,5 Punkten und vermutlich liefen zu diesem Zeitpunkt nur noch Samuels und Marius Partien. Marius steht etwas besser, also wird vermutlich in dieser Partie die Entscheidung fallen.
44. b4
Weiß bastelt direkt an seinem Freibauern, vergisst darüber aber seinen König zu aktivieren. Die Schwarzen Chancen steigen…
44… Se5
greift den Bauern g6 an. Wenn Weiß ihn deckt, fällt c4. Weiß entscheidet sich richtig, weiter an seinem Freibauern zu arbeiten.
45. a4
Aber nicht so! Wenn Weiß einen Freibauern bekommt, dann durch c4-c5 und dazu sollte der b- Bauer gedeckt bleiben, um auf ein schwarzes a5 nicht mit b5 die Dynamik aus der Bauernkette nehmen zu müssen. Viel besser war es, endlich den König ins Spiel einzubeziehen. Z.B. 45. Kd2 Sxg6 46. Lb7 a5 47. c5 axb4 48. axb4 bxc5 49. bxc5 Ke6 50. Ke3 Ke5 und mit dem reduzierten Material und dem Freibauern auf c5 müsste Weiß die Stellung Remis halten können.

In der Partie ist Weiß einfach zu langsam. Es folgte
45… Sxg6 46. a5 bxa5 bxa5 Se5
und Samuel konnte den Rest souverän abwickeln (0-1, 82). Puh! Was für ein Kampf. Glücklich, wer in so wichtigen Kämpfen so nervenstarke Ersatzspieler aufbieten kann!
Faßler, Felix – König, Nikolas (1870): 0-1
Felix verspekulierte sich in der Eröffnung und musste schon nach 14 Zügen mit einer Figur weniger spielen. Da wir hier nicht auf unsere konkreten Eröffnungsvarianten eingehen, spare ich mir hier ebenso wie bei Norbert die Details (0-1, 22).
Vor den marodierenden DWZ – Diebesbanden, die mir zuletzt an an allen Ecken auflauerten ins Ausland geflohen, kann ich gerade nicht an Mannschaftskämpfen teilhaben. Dank Marius Partienservice für die Mannschaft, bekomme ich aber wenigstens einen Einblick ins Geschehen, auch wenn ich die Dramaturgie des Kampfes natürlich nicht mitbekomme. Meine Eindrücke und ein paar interessante Stellungen habe ich hier für die zusammengestellt, die auch nicht dabei sein konnten. Dabei versuche ich, möglichst die Eröffnungsphase zu überspringen. Es ist ja nicht nötig, dass sich unsere nächsten Gegner mithilfe unserer Homepage vorbereiten können. Daher gibt es hier auch nur Partiefragmente, keine vollständigen Partien.